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  1. Mundtot – Journalisten hinter Gittern

    Februar 8, 2012 by neumann

    Von Elisa Dullweber, Pia Gurgel und Christin Weigelt

    Wirklich freie Berichterstattung bleibt im globalen Vergleich ein seltenes Gut: Reporter ohne Grenzen zufolge sind weltweit noch immer mehr als 160 Journalisten in Haft, weil sie den Mächtigen unbequem wurden, und werden unter schlimmsten Bedingungen festgehalten. Eine Visualisierung der Jahresbilanz.

    Weiterführende Informationen:

    Diese Visualisierung erschien im Rahmen einer Kooperation zuvor auf dem unabhängigen Medienportal VOCER. Lesen Sie dort auch ein Interview mit Reporter ohne Grenzen zur Jahresbilanz.


  2. Ein Film sagt mehr als lange Texte

    Januar 31, 2012 by neumann

    Von Melanie Mader und Josefine Wank

    Visualisieren bedeutet Erfassen und Beschreiben von Zusammenhängen und Prozessen, Herstellen von spezifischen und unspezifischen Öffentlichkeiten durch die Entwicklung neuer kommunikativer Methoden.
    Frank Barth

    Zu Beginn eines jeden redaktionellen Beitrags steht die Recherche. Um die Geschichte hieb und stichfest zu machen, versucht der Journalist, seine Botschaft oftmals noch mit Statistiken oder Zahlen zu stützen und zu verstärken. Jetzt erhält ein anderer Trend Einzug, der die journalistische Arbeit in Teilen verändert. Das Pferd wird sozusagen von hinten aufgesattelt: Nicht mehr die Story selbst, sondern Zahlen und Daten sind die Ausgangslage für eine Recherche. Erst daraus resultieren dann die Geschichten. Das ist, im weitesten Sinne, Datenjournalismus. Anhand von beispielsweise interaktiven Infografiken kann sich der Nutzer selbst durch Zahlenwelten navigieren und sich Daten so auf eigene Weise erschließen.

    Wir möchten einen Teil dieser Strömung vorstellen, der als besonders anschaulich gelten kann: den – nennen wir es “Datenfilm”, den sich zum Beispiel Autoren der Satiresendung Extra3 (NDR) zunutze machen. Kriterien für diese Art von Datenjournalismus sind zum Beispiel große Datenbestände oder umfassende politische Vorgänge, die sich strukturieren und mit simplen Mitteln erzählen lassen.

    Ein gutes Beispiel für eine anschauliche filmische Darstellung komplexer Daten ist der neue Personalweis. In diesem “Extra3″-Clip wird auf die Funktionen und Tücken aufmerksam gemacht. Es sind unterhaltsame drei Minuten, die alle Informationen bieten, die es braucht, um die Vor- und Nachteile des elektronischen Persos zu erkennen.


  3. Web-Documentaries: “Das journalistische Format der Zukunft”

    Januar 27, 2012 by iwanetz

    Wie Fernsehjournalismus im Internet geht, zeigen interaktive Web-Documentaries. In diesem neuartigen multimedialen Format bestimmt allein der User, welche Fotos, Videos, Interviews oder Statistiken er sehen will. “Prison Valley” heißt die bislang aufwendigste Web-Doku. Die ARTE-Produktion über eine amerikanische Kleinstadt, in der Gefängnisse der wichtigste Wirtschaftsfaktor sind, dauerte 16 Monate. Am Ende gab’s den “Grimme Online Award”. Die MHMK sprach mit Alexander Knetig von ARTE über das Format Web-Dokus.

    MHMK: Wie viele Menschen haben “Prison Valley” bislang gesehen?

    Alexander Knetig: Bisher wurde “Prison Valley” von über 350.000 Leuten weltweit in den drei Sprachen Französisch, Englisch und Deutsch gesehen. Insgesamt wurden gut eine Million Videos auf der Seite gestreamt.

    Betrachten Sie Prison Valley
    “Prison Valley” damit als Erfolg?

    Sowohl inhaltlich als auch formell war “Prison Valley” zweifellos einer unserer größten Erfolge bisher. Wir finden, dass das Thema und die Umsetzung sehr gut jene Art von Werk versinnbildlichen, das eine interessante Story und eine ambitiöse Form fürs Internet verbindet. Auch den Kritikern und den Experten scheint das Format gefallen zu haben: So wurde “Prison Valley” mit einem guten Dutzend Preise rund um den Globus ausgezeichnet – unter anderem mit dem Grimme Preis.

    Trotzdem sind das vergleichsweise wenig Zuschauer für eine so aufwendige Produktion.

    Der kommerzielle Aspekt ist für uns als öffentlich-rechtliches Unternehmen nicht direkt von Bedeutung. Unser Ziel ist es, gemeinsam mit unseren Produzenten und Partnern ein Budget und einen realistischen Finanzierungsplan auf die Beine zu stellen, der es jedem der Beteiligten erlaubt, komfortable Arbeitsbedingungen zu haben und angemessen für seine Leistung vergütet zu werden. Dies ist uns mit diesem Programm gelungen.

    Prison Valley

    Wie beurteilen Sie generell das Potential solcher Web-Documentaries?

    Als eine der führenden Produktionsstrukturen für Webformate weltweit glauben wir natürlich ganz stark, dass Web-Dokus eines der journalistischen Formate der Zukunft sein werden.

    Für was eignet sich das Format besonders gut?

    Unserer Meinung nach bieten sich besonders  soziale Themen an: Sie sind den Menschen nahe und liefern eine gute Basis für Diskussionen. Ebenso wie das Terrain des investigativen Journalismus. Im Falle von “Prison Valley” konnten wir diese beiden Domänen miteinander verbinden. Andere Themen funktionieren hingegen kaum als interaktives Format. So sind gewisse historische oder wissenschaftliche Dokus wohl am besten, wenn man sie sich in sein Sofa gebettet im Fernsehen ansehen kann, um das Thema erstmal zu verstehen – ohne unbedingt gleich selbst tätig werden zu wollen.

    Insitu

    Sind Web-Documentaries in der Produktion aufwendiger als normale TV-Dokus?

    Nachdem wir mittlerweile hier bei ARTE-France zwölf Webdokus produziert und auf unserer Seite veröffentlich haben, können wir sagen, dass Web-Dokus in unserem Fall absolut nicht kostspieliger sind als normale TV-Dokus. Das Gesamtbudget jeder unserer Dokus für’s Web betrug immer zwischen 200.000 und 300.000 Euro. Das reicht für 60 bis 130 Minuten Videoinhalte, plus Text und Fotos. Damit liegen wir sogar knapp unter dem Budget von vergleichbaren Produktionen, die rein fürs Fernsehen produziert werden.

    Sind weitere Web-Dokus in der Zukunft bei ARTE geplant?

    Selbstverständlich. Seitdem “Prison Valley” im April 2010 gelauncht wurde, haben wir bereits neun weitere Webdokus ins Leben gerufen. Zum Beispiel: “InSitu“, “New York Minute” oder auch unsere erste mobile Webdoku Barcode. Für 2012 sind bereits acht weitere Webproduktionen geplant.  

    Alexander Knetig, 26, ist seit 2010 Webprojektleiter bei ARTE France. Pro Jahr produziert sein Team 5 bis 10 interaktive Werke (Webdokus, Webserien und Webreportagen). Bei “Prison Valley” war er für die inhaltliche Begleitung des Projekts zuständig. 

                                                                     


  4. Datenjournalismus – Ein wenig mehr journalistische Unabhängigkeit

    Januar 27, 2012 by krischke

    250.000 Tagebucheinträge unter größtem Aufwand ausgewertet, präsentiert und für alle zugänglich gemacht. Im Jahr 2010 war es, als Wikileaks die „Kriegstagebücher aus Afghanistan“ an die Öffentlichkeit brachte. Der Spiegel, The Guardian und die New York Times machten es sich daraufhin zur Aufgabe, die Rohdaten zu filtern und zu sammeln. Das ist es, was man unter dem Begriff Datenjournalismus versteht. Anstatt, dass der Rezipient vorgekaute Informationen präsentiert bekommt, will der Datenjournalismus hinter die Fassade von Statistiken blicken, deren Urheber oftmals gar nicht eindeutig ersichtlich sind – oder welche Institutionen, ob Regierungsorganisationen oder NGOs, hinter dem Kürzel unteren Grafikrand stecken. Datenjournalismus will alles. Alles was dahinter steckt – und am besten vorher.

    Dass der Datenjournalismus in Deutschland gerade erst im Kommen ist, während etwa der Guardian bereits seit Jahren mit Datenjournalismus arbeitet, überrascht nicht, wenn man bedenkt, dass Barack Obama bereits mit tatkräftiger Unterstützung von Twitter und Youtube zum ersten schwarzen Präsidenten gekürt wurde. Zur selben Zeit demonstrierten selbst hochrangigste, deutsche Politiker wie die Bundeskanzlerin, schlecht gefilmte und vertonte Podcasts auf ihren Internetseiten. Von der Aufmachung der Parteiseiten mal ganz zu schweigen.

    Ein Streudiagramm: Grafiken wie diese werden zur Verrechnung von Rohdaten genutzt

    In der Bundesrepublik kommt der Datenjournalismus jedenfalls schlichtweg behäbig in die Gänge, und damit wird man sich wohl vorerst einmal abfinden müssen. Vor allem wenn es um die Kommunikation zwischen Ämtern und Journalisten geht, läuft die Batterie auf Reserve. Denn um Datenjournalismus machen zu können, benötigt man zu allererst Rohdaten, und zwar eine ganze Menge davon. Und wo, wenn nicht bei den staatlichen Institutionen, wird man wohl am Ehesten fündig. Stichwort: Informationsfreiheitsgesetz.

    Während andere westliche Länder, wie die USA oder England, längst Informationsfreiheitsgesetze verabschiedet haben und diese von den Einwohnern auch genutzt werden, hat man in Deutschland kaum einen Erfahrungswert mit der Thematik. Sicher, Informationsfreiheitsgesetze gibt es auch in der Bundesrepublik, seit 2006 ganz nebenbei. Aber so recht scheint sich kein Bürger für diese Methodik zu interessieren, die einen Blick in die Unterlagen öffentlicher Einrichtungen freigeben würde. Und weil das so ist, wird es auch den Datenjournalisten schwer gemacht, an ihre Daten zu gelangen: Es fehlt einfach die Routine in den Ämtern, wenn es um diesen Sachverhalt geht.  

    Deshalb pochen Institutionen und Verbände wie „Open Knowledge Foundation“ längst darauf, dass der Staat ein klares „Ja“ zum Prinzip des „Open Data“ an seine Bürger schickt.  Denn mit einem bewussteren Zugang der Bürger zu Zahlen und Fakten der öffentlichen Verwaltung, würde auf Dauer auch die Selbstverständlichkeit steigen, mit der Journalisten an ihre Rohdaten gelangen könnten. So wären sie nicht mehr auf Statistiken und Diagramme aus zweiter oder dritter Hand angewiesen und könnten alle Daten, die sie benötigen, einfach selbst auswerten. Was dem Journalismus in seinem Selbstverständnis als unabhängiger Vermittler durchaus entgegen kommen würde.


  5. “Mobile will very soon become a meaningless word”

    Januar 27, 2012 by meyer

    von Marlene-Sophie Meyer

    Es ist zehn Uhr abends, die Stimmung düster. Maskierte Männer verwüsten eine Einkaufsstraße im Süden Londons. Auf dem Boden liegen ein zertrümmerter Flatscreen-Fernseher und jede Menge Müll. Das Heulen der Polizeisirenen läuft einem eiskalt den Rücken herunter. Marc Stone, ein Reporter von “Sky News” berichtet an diesem achten August 2011 live von den Unruhen in der britischen Hauptstadt – ohne Kamerateam, ohne Assistenten. Sein einziges Hilfsmittel ist sein Smartphone.

    Ausgelöst wurden die Unruhen durch einen Polizeieinsatz, der sich einige Tage zuvor ereignete. Bei der geplanten Festnahme eines jungen Mannes, der verdächtigt wurde, in Drogengeschäfte verwickelt zu sein, eskalierte die Situation. Er wurde von einem Polizeibeamten erschossen.

    Hätte vor zehn Jahren jemand behauptet, dass das Handy einmal zum wichtigsten Arbeitsgerät eines Journalisten gehört, wäre man ihm mit ungläubigem Kopfschütteln begegnet. Vor noch nicht allzu langer Zeit wurde das Mobiltelefon fast ausschließlich zum Telefonieren benutzt, wenn man unterwegs war. So konnte man sich etwa im Urlaub jede Menge Ärger und Zeit sparen, um ein passendes Münztelefon zu finden. Dabei musste man noch gefühlte Ewigkeiten in der wartenden Schlange anstehen, bevor man Kontakt zur Familie nach Hause aufnehmen konnte.

    Generationen, die mit der rasanten technischen Entwicklung aufgewachsen sind, können sich diese Szenerie heute nicht mehr vorstellen. Das handelsübliche Smartphone entpuppt sich als Fotoapparat, Videokamera und multimediales Berichterstattungsgerät. In manchen Fällen dient es sogar als komplettes Aufnahme- und Schnittstudio. Fortschritte, die vor allem an Journalisten nicht ohne weiteres vorübergehen. Doch welche Auswirkungen hat diese Entwicklung auf die mediale Berichterstattung?

    Der Journalist hat heute die Möglichkeit, direkt und vor Ort mit seinem Smartphone zu berichten. Denn spannende Geschichten passieren doch meistens spontan und vollkommen unabhängig von aufwendigen Planungen. Auf diese Weise entstehen die aufregendsten und interessantesten Beiträge für den Leser. Das Spannende: Bestimmte Situationen und Atmosphären, von denen man erzählt, sind nicht inszeniert! Der Journalist ist Teil des Ereignisses und berichtet als unmittelbar betroffene Person.

    Diese neue Art der Berichterstattung nennt sich Mobile Reporting und findet vor allem im amerikanischen Raum auch bei seriösen Fernsehsendern immer häufiger statt.

    Mobile Berichterstattung ist inzwischen alltäglich und selbstverständlich geworden. Ganz so wie es der Journalist Jeff Jarvis einst formulierte: „Mobile will very soon become a meaningless word.”

    Clapham Junction Looting – Marc Stone for Sky News


  6. Storytelling in 3D

    Januar 26, 2012 by naebers

    Wenn man “3D” hört, dann denkt man sofort an Kanonenkugeln, die durch den Kinosaal direkt auf einen zufliegen. Oder an Drachen und andere unheimliche Kreaturen die aus der Leinwand auf einen zukommen. Beim Storytelling in 3D aber handelt es sich mehr um Panoramabilder – aber solche in denen man sich mittels Mausklick oder Fingerwisch frei bewegen kann.

    Im Laufe der Zeit hat sich die Erstellung von Panoramen verändert. Von sogenannten Rundbildern, also zum Beispiel Landschaften auf einer gebogenen Leinwand oder über eine gesamte rundgebogene Wand, über die Digitalfotografie mit anschließender Überarbeitung am Computer, bis hin zu komplett virtuellen Welten, wie in Computerspielen. Die 3D-Panoramen aber bilden die Realität ab und dennoch kann man sich darin frei bewegen. Doch wie funktioniert das?

    Video oder Foto?

    Generell muss man unterscheiden zwischen 3D-Fotos und 3D-Videos. Bei den Fotopanoramen gibt es drei Optionen. Die erste Option wäre, viele einzelne Fotos zu machen und sie danach am Computer zusammenzustellen. Einfacher wird es da schon mit speziellen, ründlich gebogenen Objektiven, durch die das Foto schon in dieser Form aufgenommen wird. Die dritte Option kommt ohne spezielles Objektiv aus und muss auch nicht manuell am Computer zusammengefügt werden, es reicht eine 3D-Panorama-Software (wie Windows Photosync) und zum Beispiel ein iPhone. Das funktioniert ähnlich, wie das manuelle Zusammensetzen, nur eben automatisch. Die Software greift auf die Kamera zu und erkennt unterschiedliche, aber zusammenhängende Bilder und verknüpft diese dann zu einem Panorama. Ein Videopanorama dagegen braucht eine spezielle Kamera mit mindestens sechs Linsen, die gleichzeitig in alle Richtungen filmt. Aber auch hier gibt es den einfacheren Weg mit einem gebogenen Spezialaufsatz für die normale Kamera.

    Erst ins Colosseum, dann mit Will I Am im Club tanzen

    Doch wofür sind solche 3D-Panoramen eigentlich gut? Es gibt unterschiedliche Situationen in denen sie eingesetzt werden können. Zum Beispiel, um Orte zu erleben, an die man selbst nicht reisen kann. Auf der Seite panoramas.dk, kann man zum Beispiel das Colosseum in Rom mal genauer unter die Lupe nehmen:

      colosseum2

    Aber auch im Journalismus kann so ein 3D-Panorama Verwendung finden. Allerdings bleibt das auf die Online-Auftritte der Zeitungen oder deren Apps beschränkt. Dabei kann ein solches Panorama aber nicht als journalistische Darstellungsform gelten, wie zum Beispiel Audio-Slideshows. Dennoch hat es einen journalistischen Mehrwert und ist nicht nur Spielerei. Vor allem in den USA sind 3D-Panoramen mittlerweile verbreitet, um den Leser noch mehr in die Geschichte hineinziehen zu können. Paradebeispiel dafür ist die Multimediasektion der NY Times. Als das Erdbeben Haiti erschütterte, erzählte die Times die Geschichte nicht nur in Worten und Bildern, sondern in 3D-Panoramen: So konnte man sich zum Beispiel in der Ruine der Notre-Dame Cathedral in Port-au-Prince umsehen.

    haiti

    Aber nicht nur in der Zukunft des Journalismus werden 3D-Panoramen ihren Platz finden. Auch die Unterhaltungsbranche hat sie schon auf dem Schirm. Gerade für Musikvideos wird die Idee des 3D-Panoramas eine Rolle spielen – dann natürlich eher als Video, als als Foto. Die Firma “immersive media” hat sich auf solche 3D-Videopanoramen spezialisiert. Auch die Black Eyed Peas haben sich das schon zu Nutzen gemacht:

    musik-video-3d

     

    Zukunftsperspektiven

    Die 3D-Panoramen haben also verschiedene Einsatzmöglichkeiten. Zur Unterhaltung, zur Information und für detailliertere Betrachtungen. Dabei gibt es ganz unterschiedliche Nutzungsweisen: Ein Fotopanorama ist dafür prädestiniert, um ein einziges Bild erlebbar zu machen, das Videopanorama lässt einen bei einem Musikvideo live dabei sein. Ebenfalls interessant sind Videopanoramen zum Beispiel für Reisedokumentationen, um sich die Winkel anzusehen, die ein Kameramann so vielleicht nicht genauer unter die Lupe nehmen würde. Egal wofür man solche 3D-Panoramen auch nutzen möchte, interaktiver ist nur die Realität. Und gerade mit Smartphones und Tablet-PCs werden diese Panoramen auch ihren Platz finden – sowohl im Journalismus, als auch in der puren Unterhaltung.


  7. Der typisch freie Journalist – Schizophrenie in ihrer schönsten Form

    Januar 26, 2012 by mader

    Von Melanie Mader und Josefine Wank

    Ein bisschen Alltagssuperheld, ein bisschen Paris Hilton und der Geist eines Ninja-Kämpfers – all das steckt laut einer Studie des Deutschen Fachjournalisten Verbandes im durchschnittlichen freien Journalisten hierzulande.

    MHMK-Studentinnen bei der Arbeit an ihrem Cross-Media-Projekt über freie Journalisten

    MHMK-Studentinnen bei der Arbeit an ihrem Cross-Media-Projekt über freie Journalisten

    Er ist der MacGyver unter den Journalisten – der Freie. Gänzlich ohne Hilfe arbeitet er sich durch die dichte Welt der Informationen und braucht für seine Arbeit neben Kaugummi und Büroklammer hauptsächlich Google und viele Bekanntschaften. Doch in ihm stecken noch viel mehr Persönlichkeiten als nur ein alternder Alltagssuperheld.

    Der Ninja im typischen freien Journalisten kann ohne die Rückendeckung eines festen Redaktionsteams bestehen. Er hat weder Angst vor Rückschlägen noch vor der ständig angriffsbereiten Konkurrenz, die ihn mit niedrigeren Zeichen- oder Tagessätzen in die Knie zwingen will. Obwohl der Ninja auch mal zurückblickt, kämpft er sich weiter mutig durch den Arbeitsdschungel, immer auf der Suche nach der besten Geschichte und dem lukrativsten Job.

    Neben einer 50-Stunden-Woche arbeitet die Paris Hilton im typisch freien Journalisten jedes Wochenende – und zwar ohne mit der Wimper zu zucken. Ihr Beziehungsstatus ist “dauerhaft vergeben”. Sie arbeitet für bis zu drei Auftraggeber gleichzeitig, kennt Mann und Maus und nutzt gekonnt ihr Netzwerk. Auch wenn der typische Brutto-Verdienst des freien Journalisten mit durchschnittlich 2.478 Euro im Monat nicht ganz auf dem Gehaltniveau der echten Paris Hilton liegt, muss der Freie nicht am Hungertuch nagen – und wenn doch, verwandelt MacGyver dieses sofort in ein Käse-Sandwich.

    Und dann wäre da noch MacGyver, die dritte und dominanteste Persönlichkeit des typischen freien Journalisten. Er ist 47 Jahre alt, männlich, clever und kinderlos, obwohl er sicherlich ein guter Vater wäre. Schließlich ist dieser Mann das lebende Abenteuer, gepaart mit überirdischem Einfallsreichtum. Welches Kind braucht schon Spielzeug, wenn es MacGyver hat. Da kann selbst Chuck Norris einpacken. Er ist der Journalist, der kurz nochmal die Welt retten geht, bevor er sich kämpferisch dem nächsten Arbeitgeber zuwendet.


  8. Audio-Slideshows – die neue Art zu erzählen

    Januar 25, 2012 by heinrichkeit

    Von Linda Heinrichkeit

    Beginnt man einmal, sich eine Audio-Slideshow anzusehen, kann man nicht aufhören. Entweder man möchte dieselbe immer und immer wieder sehen oder man klickt sich durch die Welt der Slideshows, diese ruhige, behäbig Welt, die es vermag, mit Hilfe von Fotos Atmosphäre herzustellen, Gefühle zu erzeugen und einen völlig in sich ruhen zu lassen.

    Audio-Slideshows sind eine neue journalistische Darstellungsform, die im Onlinejournalismus genutzt wird. Sie bestehen aus einer Reihe von einzelnen Bildern in Verbindung mit einer Tonspur, die sich aus Sprechertext, Musik, atmosphärischen Geräuschen und O-Tönen zusammensetzen kann. Der Vorgänger der Audio-Slideshow ist die Tonbildschau, bei der mit Hilfe mehrerer Projektoren Dias vorgeführt und gleichzeitig Tonträger abgespielt wurden. Auch dabei wurden schon Effekte wie Überblendung oder Ein- und Ausblendung genutzt.

    Die Möglichkeiten der Audio-Slideshow

    Audio-Slideshow sind eine neue Möglichkeit, Geschichten zu erzählen, Menschen nah zu bringen, Gefühle zu übermitteln. Anders als beim Video wird eine Geschichte nicht eindeutig dargestellt, der Zuschauer soll sie auf Basis der Bilder weiterdenken. Die Worte des Sprechers unterstützen die Interpretation und lassen trotzdem noch Spielraum für unterschiedliche Interpretationswege.

    Oft werden Audio-Slideshows genutzt, um Menschen zu porträtieren. Die Abfolge von Fotografien ist ruhiger als ein aktives Video, es ist leichter, Atmosphäre herzustellen.  Die New York Times zeigt in ihrer Reihe „One in 8 Million“ die Geschichte einzelner Bewohner von Big Apple.

     

    Mehrere deutsche Tageszeitungen haben das Prinzip aus den USA übernommen. So porträtiert der Tagesspiegel die Bewohner Berlins, ähnlich dem Konzept der New York Times.

    Die Geschichte von Karl-Heinz Bennecke erzählt er selbst. Die Bilder unterstützen seine Worte, vielleicht ist es auch andersherum. Mit Hilfe von Ton, der in der Werkstatt aufgenommen wurde, lässt die Audio-Slideshow die Umgebung lebendig wirken und zeigt Handlung, bzw. lässt sie im Kopf des Zuschauers entstehen. Aufgrund der ruhigen Stimme und der langsamen Schnitte entsteht eine entspannte Atmosphäre; der Betrachter hat das Gefühl, dem alten Mann sehr nah zu sein.

    Eine andere Art der Audio-Slideshow ist die von George Steinmetz mit dem Titel “African Air

    Steinmetz stellt nicht den Menschen in den Vordergrund, sondern den afrikanischen Kontinent. Er zeigt beeindruckende Naturaufnahmen und erzählt über seine Erlebnisse in Afrika, wie er die Fotos geschossen hat, welchen Menschen er begegnet ist. Er verwendet an einigen Stellen auch Videoaufnahmen, um seine Eindrücke zu verdeutlichen – ein mögliches, aber nicht nötiges Mittel einer Audio-Slideshow. Zudem tritt er doppelt in Erscheinung: Als Erzähler im Hintergrund und als Interviewter, der auch auf dem Video zu sehen ist.

    Die Philosphie

    Die Fotografie, auf der Audio-Slideshows basieren, ist eine stumme Kunst. Durch den Ton und durch die Bewegung der Bilder bei der Slideshow werden sie lebendig. Die Philosphie, die hinter den Slideshows steckt, ist, dass Atmosphäre aufgebaut werden soll – mit Hilfe von eingefangenen Momenten, die Emotionen übermitteln. Sie sind passend für nachdenkliche Themen oder auch für die langwierige Begleitung einer Person oder einer Thematik.

     

     


  9. Open Data – alles ist für alle da

    Januar 25, 2012 by dullweber

    Von Elisa Dullweber und Christin Weigelt

    Nicht erst seit den Veröffentlichungen der Enthüllungsplattform Wikileaks  ist es DAS neue  Trendwort in den Redaktionen: Datenjournalismus, gestützt auf der Forderung nach frei zugänglichen öffentlichen Daten für jedermann. Open Data heißt die Bewegung, die dahinter steckt und sich für die Freigabe sämtlicher Daten – egal ob für Journalisten oder den normalen User – einsetzt.

    1.      Was ist Open Data?

    Open Data ist eine Philosophie, die auf der Annahme beruht, dass es für die Gesellschaft von Vorteil ist, wenn Daten für jedermann frei zugänglich sind. Gemeint sind dabei sämtliche Datenbestände, die im Interesse der Allgemeinheit ohne Einschränkung zur freien Nutzung, zur Weiterverbreitung und Weiterverwendung zugänglich gemacht werden.

    2.      Welche Informationen sollen zur Verfügung gestellt werden?

    Die Open-Data-Bewegung setzt sich insbesondere für die Bereitstellung von staatlichen Statistiken, Erhebungen oder Forschungsergebnissen ein. Aber auch banalere Informationen wie zum Beispiel Öffnungszeiten, Polizeitickermeldungen oder Verkehrsmeldungen sollen für die Öffentlichkeit frei zugänglich sein.

     3.      Welche Ansätze hat die Open-Data-Bewegung?

    Die Forderung nach Open Data zelebriert sich in den unterschiedlichsten Formen. So setzt sich beispielsweise die Open-Source-Bewegung für offene Lizenzen und den freien Zugang zu Software-Quelltexten ein. Die Art von Open Data, die wohl die meisten Verbraucher betrifft, ist Open Content. Anhänger dieser Strömung fordern die freie und kostenlose Nutzung von Texten, Bildern und Tonaufnahmen, heute zum Beispiel schon über die Fotocommunity Flickr möglich.Vertreter von Open Education hingegen setzen sich für den freien Zugang zu Lernmitteln und Büchern im Allgemeinen ein. Die wohl stärkste Open-Data-Bewegung geht der Forderung nach öffentlichen staatlichen Daten nach. Hier soll eine komplette Öffnung der Regierung und deren Verwaltung gegenüber der breiten Öffentlichkeit stattfinden.

     4.      Wie weit ist Deutschland in Bezug auf Open Data?

    Im Gegensatz zu den USA ist Deutschland in Sachen Open Data eher noch ein Entwicklungsland. Zwar bieten bereits einige lokale Portale Statistiken und Datenerhebungen, zum Beispiel mit Zahlen zur Arbeitslosigkeit oder zum Wasserverbrauch an (zum Beispiel http://daten.berlin.de/) Eine wirkliche Öffnung der Regierung und Ämter hat allerdings hierzulande noch nicht stattgefunden. Anders in den Vereinigten Staaten: Hier bieten bereits unzählige Websites, auch von Regierungsseite, frei zugängliche Informationen für die Öffentlichkeit an. Zu verdanken ist das unter anderem den dortigen Informationsfreiheitsgesetzen, bei denen Deutschland ebenfalls hinterherhinkt.

     5.      Welche Gefahren birgt Open Data?

    Gerade Datenschützer laufen bei der Forderung nach freien Daten für jedermann Sturm. Denn wenn anonymisierte Informationen plötzlich öffentlich werden, lassen sie sich schnell auch auf einzelne Personen herunter brechen, lautete ihre Argumentation. Und wer sagt eigentlich, dass alle potentiellen Nutzer die freien Daten richtig deuten können? Längst nicht jeder verfügt über genug Medienkompetenz, um einen Wust an Daten richtig einordnen zu können. Außerdem bleibt die Frage nach den Grenzen der Offenheit: Welche Informationen sind so brisant, dass sie nicht veröffentlicht werden können? Zum Beispiel, wenn sie die Sicherheit der Bevölkerung gefährden würden?

     6.      Was hat Open Data mit Journalismus zu tun?

    Das Thema Datenjournalismus wird die deutsche Presslandschaft in Zukunft schwer beschäftigen. Denn eins ist klar: Open Data bietet für den Journalismus ungeahnte Möglichkeiten. Nicht nur, dass sich aus frei zugänglichen Informationen eine ganz neue Themenbandbreite ergibt. Auch der interaktive Austausch mit Lesern und anderen Rezipienten könnte neue Dimensionen annehmen. Denn wenn alle Zugang zu fast allem haben – wer ist dann noch Journalist und wer Verbraucher?

    Weitere Links zum Thema:

    -          Definitionen von Open Data

    -          Open Data Network


  10. Erst wo Daten enden, beginnt Journalismus

    Januar 25, 2012 by diekert

    Ein Kommentar von Henrik Diekert

    Die New York Times ist eine große, wichtige Zeitung und ihr Online-Angebot in vielerlei Hinsicht wegweisend. Zehn Jahre lang, bis 2006, war der Internet-Auftritt der „Gray Lady“ wenn überhaupt nur sporadisch überarbeitet worden. In den letzten fünf Jahren wurden mal diese, mal jene Artikel kostenpflichtig. Nachrichten werden gefilmt, nicht mehr geschrieben. Der Erfolg gibt der Times recht, die Website ist so beliebt, dass sogar über die Einstellung der altehrwürdigen Printausgabe nachgedacht wird. Profitabel ist Journalismus im Internet aber immer noch nicht, so können seit März diesen Jahres nur noch 20 Artikel im Monat frei gelesen werden, wer mehr will, muss die gedruckte Zeitung abonnieren um uneingeschränkten Zugriff auf die Online-Ausgabe zu erhalten.

    Den großen Mehrwert der Zeitung im Internet macht dabei vor allem eine neue, erst im vergangenen Jahr aus den bedeutungslosen Tälern der Medienlandschaft getretene Form des Journalismus aus. Daten-Redakteure erklären uns die Zahlen, welche die Welt bewegen und zusammenhalten. Ob die vergleichenden Statistiken der Rentabilität zweier Autohäuser oder die Toten im zweiten Golfkrieg. Wenn Ottonormalverbraucher zwischen Prozenten, Brüchen und der achten Stelle hinter dem Komma den Überblick verliert, zeigen uns Datenjournalisten in Text und Bild, die Geschichte hinter den Zahlen. In den Blickpunkt gerückt sind diese, in der Redaktion  häufig als Zahlen-Nerds belächelten Kollegen während den Wikileaks-Veröffentlichungen.

    So weit, so gut. Datenjournalisten sind wichtig, sie arbeiten journalistisch auch wenn sie nicht rausgehen, Geschichten vor Ort nachbohren, sich vielleicht sogar für eine gute Story in Gefahr begeben. Dieses romantische Watergate-Bild des Reporters, ist nicht das ihre. Ein paar von ihnen finden gar, es sei im 21. Jahrhundert überholt.

    Doch ist das, womit die Datenjournalisten der Times teilweise ihre Zeit verplempern noch Journalismus? Die graphische Aufzeigung der Zufluchtspunkte während Hurricane Irene vor wenigen Monaten mag Sinn machen, wobei sich die Frage stellt, ob der New Yorker solche Informationen nicht eher auf der Homepage der Stadt, als auf der ihrer größten Zeitung finden sollte…Aber: Ein Service zusätzlich zum bestimmenden Medienthema, daran ist auch auf der Homepage eines journalistischen Mediums nichts auszusetzen.

    Überhaupt nichts mehr mit Journalismus zu tun, hat hingegen das Angebot „is it better to buy or rent?“. Die Times bietet hier einen Rechner an, mit dem jedermann herausfinden kann, ob es sich für ihn eher lohnt eine Wohnung zu mieten oder zu kaufen.