Wenn der Schmerz zu groß wird

Beitrag vom 16. Mai 2011

Betäubung der Warnsignale

Henrik Larsson ist einer der bekanntesten Fußballprofis der letzten zehn Jahre. Der schwedische Stürmer spielte in den erfolgreichsten Vereinen der Welt, wie dem FC Barcelona oder Celtic Glasgow. Vermutlich sollte es einem Fußballspieler Spaß machen auf das Spielfeld zu gehen, um seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen…

Von Stefan Nowak

Doch Larsson antwortete in der Hochphase seiner Karriere einem Reporter auf die Frage, was er denkt, wenn er auf den Platz läuft: „Jetzt wird es gleich unheimlich weh tun!“  Ist das zu verstehen? Ja, denn eine große Zahl der aktiven, aber auch schon inaktiven Fußballprofis leidet unter chronischen oder langandauernden Schmerzen, durch verschleppte, nicht ausgeheilte Verletzungen.

Der Leistungsdruck in den Profiklassen des Fußballs war schon immer groß und wird heute nicht weniger, sondern wächst. Die Profis müssen in ihrer aktiven Zeit so viel Geld wie möglich verdienen, um nach der Karriere ihre Familie und ihr Leben finanzieren zu können. Das können die Akteure nur, wenn sie auch spielen. Dies sollte für einen Spieler wie Larsson kein Problem sein, denn er hat genug Geld bei den großen Clubs in Europa verdient. Aber wie ist das zum Beispiel bei einem Zweitligaspieler? Er verdient nicht die hohen Summen, die ein Profi vom Kaliber Henrik Larssons verdient hat. Diese Spieler schinden und strapazieren ihre Körper so sehr, dass sie, wenn es ganz schlimm kommt, nach ihrer Karriere nicht einmal mehr vernünftig laufen können. Die Beine sind verkrüppelt, die Füße schmerzen bei jedem Schritt oder die Hände und Finger sind krumm und schief.

Otto Addo, früherer Erst- und Zweitliga Spieler, unter anderem auch bei Borussia Dortmund, ist nur ein Beispiel für einen Fußballprofi, der seinen Körper und vor allem sein rechtes Knie-Gelenk bis auf das Äußerste gequält hat, so dass er im Alter von 34 Jahren in die Invalidität gezwungen wurde. Von außen gleicht sein Knie einem Trümmerfeld. Von den inneren Strukturen ganz zu schweigen. Dort hat sich an einer Stelle schon Knochen gebildet, wo eigentlich keiner sein sollte. Drei Risse des vorderen Kreuzbandes und andere kleinere Verletzungen waren der Auslöser dafür. Doch hier fragt sich jeder mit gesundem Menschenverstand: Wie hat der Spieler die enormen Schmerzen während der Behandlungen und nach der Verletzung aushalten können? Otto Addo war einer der Spieler und Verantwortlichen, die sich in einem Interview im Juni 2009 mit den 11FREUNDEN offen über dieses Thema unterhalten haben. Er beantwortete die Frage so: „Kann sein, dass ich mal einen Arzt angeflunkert habe, indem ich sagte: „Ich nehme mir eine Tablette raus, und in Wirklichkeit nahm ich ein Dutzend.“ Otto Addo stopfte sich mit Schmerzmitteln voll, um irgendwie auf den Platz laufen zu können und Fußball zu spielen. Er wusste von den Risiken die bestehen, wenn der menschliche Körper unter Einahme von Schmerzmitteln Hochleistungssport betreibt. Doch diese Risiken ging er ein, weil er den Fußball liebte und außerdem einen neuen Vertrag bei seinem Verein brauchte, um weiterhin Geld zu verdienen. Addo sagt (11FREUNDE): „Wer schon einen Vertrag hat, neigt weniger dazu, sich mit Schmerzmitteln fit zu machen.“ Heute verspürt Addo einen permanenten Druck in seinem Knie-Gelenk, denn die Gewebestrukturen haben sich durch die ständige Belastung, die zu früh nach den Verletzungen auf das Gelenk einwirkten, völlig verändert. Mit Hilfe der Schmerzmittel konnte der Stürmer zwar spielen, doch seine Gliedmaßen standen somit in einer ständigen Fehlstellung und Überbelastung.

Für viele Profis ist der Ausweg „Schmerzpille“ statt Pause und Rehabilitation zur Gewohnheit geworden. Dazu Toni Graf Baumann, medizinische FIFA Kommission (11FREUNDE): „Es ist erschreckend, wie unkritisch im Fußball mit Schmerzmitteln umgegangen wird. Voltaren, Ibuprofen oder auch Aspirin werden mit einer Selbstverständlichkeit geschluckt, als würde man einen Kaffee trinken – früh, mittags und abends“ Schon in früheren Tagen waren Schmerzmittel eine gängige Art und Weise, trotz großer Schmerzen am Spiel teilzunehmen. Deutscher Nationalspieler von 1979 Toni Schumacher (11FREUNDE): „ Das EM-Finale spielte ich mit einer Dröhnung.“

Die Spieler betäuben sich in einer Art und Weise, die schon fast bestialisch wirkt. So der Fall von Thomas Cichon aus der Saison 2008/2009, zu dieser Zeit noch beim VfL Osnabrück angestellt. Er quälte sich vier Wochen lang mit einem gebrochenen Wadenbein über den Fußballplatz. Das heißt, er spielte vier Fußballspiele, je 90 Minuten, mit einem Wadenbeinbruch. „Ich hatte Glück, es war ein glatter Bruch. Wenn man die Diagnose hat, versucht man es mit den Tabletten zu schieben, also rauszuzögern, bis es nicht mehr geht. Aber irgendwann helfen die Tabletten auch nicht mehr.“ (11FREUNDE)

Ist es das wert? Ist es das viele Geld und der Ruhm wert, wenn man nach der Karriere im Rollstuhl sitzen könnte? Das müssten sich diese Spieler doch fragen. Thomas Cichon will wenigstens dann seine Fußballschuhe an den Nagel hängen, wenn die Einnahme von Voltaren zum Dauerzustand und das morgendliche Aufstehen zur Qual werden. Er ist sich jedoch sicher, dass er solange durchhalten will, wie der Körper es mitmacht.

Die Gefahren, die bei der Kombination Schmerzmittel mit Hochleistungssport bestehen, werden gänzlich unterschätz oder ignoriert. Ivan Klasnic, der frühere Bundesliga Stürmer, 2001 bis 2008 bei Werder Bremen unter Vertrag, ist ein Paradebeispiel. Er sollte um jeden Preis Tore schießen. Dies war so dringend, dass die damaligen behandelnden Teamärzte ihm trotz eingeschränkter Nierenfunktion über Jahre nephrotoxische (nierenschädigende) Schmerzmittel gaben, damit er Tore schießen konnte. Der zuvor schon nierenkranke Fußballer lebt nun seit März 2007 mit einer transplantierten Niere und hätte das Präparat niemals nehmen dürfen.

Die Weltgesundheitsorganisation teilt Schmerzen in drei verschiedene Stufen ein: Schwache, mittelstarke und starke Schmerzen. Die schwachen Schmerzen sollen mit nicht-opioiden Schmerzmitteln behandelt werden. Dazu gehört zum Beispiel Paracetamol. Die mittelstarken Schmerzen werden mit schwächer wirksamen Opioiden, wie Tramadol bekämpft. Starke Schmerzen werden mit starken Opioiden betäubt. Hierzu gehört der bekannte Wirkstoff Morphin.

Ivan Klasnic nahm unter anderem Voltaren Tabletten, in denen der nierenschädigende Stoff Diclofenac enthalten ist. Dieser Wirkstoff zählt zu den stark bis sogar sehr starken Schmerzmitteln. Es wird meist zu Behandlung von Schmerzen nach Operationen oder Krebserkrankungen verwendet. Zu diesem Medikament sind deutliche Warnhinweise gegeben. Das Reaktionsvermögen kann durch die Einnahme des Medikaments soweit beeinträchtigt sein, dass Autofahren und das Bedienen von Maschinen gefährlich sind.

Kaum auszumalen, was Ivan Klasnic weiteres hätte passieren können.

Einige Fragen bleiben. Warum gehen Trainer und Verantwortliche das Risiko ein? Warum sind die Teamärzte so verantwortungslos und gefährden das Leben der Spieler? Prof. Jiri Dvorak, der Chefmediziner der FIFA hat dazu folgende Erklärung (11FREUNDE): „Ich glaube, viele von den Medikamenten werden auch deshalb genommen, weil sie in den meisten Fällen nicht rezeptpflichtig sind. Gerade in Deutschland sind die gängigen Schmerzmittel für jeden frei erhältlich und von dieser Möglichkeit machen viele Spieler auch privat – mitunter ohne Wissen der Teamärzte – Gebrauch. Also werden sie genommen und der Schmerz bewusst unterdrückt.“ Dr. Ingo Tusk, Vizepräsident der Sportärztevereinigung, berichtet hierzu aus der Praxis (11FREUNDE):Wenn bei dem Athleten die berufliche Zukunft von dem nächsten Spiel abhängt, Sponsoren- oder Anschlussverträge anliegen, dann bespricht ein Arzt mit dem Spieler, wie man damit umgeht. Ich sage dann, dass ich ihn beschwerdefrei machen könne, er aber durch einen Einsatz seine Gesundheit riskiert. Ich bin Therapeut und müsste ihn eigentlich für einige Tage aus dem Verkehr ziehen, aber er will das entscheidende Spiel machen – im Endeffekt ist es dann der Athlet, der entscheidet.“

Eine FIFA-Studie hat gezeigt, dass einem Trainer eines Profiteams im Schnitt 20 bis 25 Prozent seiner Spieler verletzungsbedingt ausfallen. Der Erfolgsdruck ist allerdings so immens, dass der Trainer dann anstatt auf schlechtere Reservespieler zurückzugreifen lieber auf fitgespritzte bessere Spieler setzt. Ohne den Erfolg kein Verdienst und bekannt ist: Ein Trainer wird schneller gefeuert als ein Spieler.

Die FIFA hat recherchiert und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass gut die Hälfte aller Spieler bei der WM 2006 Schmerzmittel genommen haben. Prof. Jiri Dvorak (11FREUNDE): „Und nicht nur bei diesem Turnier. Auch bei den großen Turnieren im Jugendbereich ist der Konsum von Schmerzmitteln unter den Spielern alarmierend.“

Wie ist es also möglich, das Problem des Schmerzmittelmissbrauches zu lösen? Die FIFA sieht die Lösung in der Vorbeugung (11FREUNDE): „Uns geht es um Prävention. Beim Training und in der Medizin wurde in den vergangenen Jahrzehnten zu wenig darauf geachtet, dass die Spieler adäquat vorbereitet sind. Wir haben unsere Forschungsschwerpunkte in den letzten Jahren sehr stark auf die Prävention ausgerichtet und damit bewiesen, dass man durch kontinuierliche, adäquate Vorbereitung die Verletzungsrate um 30 bis 50 Prozent senken kann. Die Stoßrichtung der FIFA ist, dass wir es gar nicht erst soweit kommen lassen wollen, dass sich die Spieler selbst mit Schmerzmitteln wie Iboprofen oder Voltaren eindecken.“

Die „Schmerzpillen-Flut“ ist allerding nicht nur im Profifußball ein Thema. In vielen anderen körperbetonten Sportarten greifen die Sportler zu den Wunderpillen. Außerdem ist nicht nur der Profibereich betroffen. Auch viele Amateure nutzen Schmerzblocker, damit sie ihren Sport beschwerdefrei ausüben können.

So zum Beispiel im American Football. Diese Sportart zählt zu den härteren Leibesübungen. Hierbei steht es an der Tagesordnung, dass sich Spieler verletzen oder kleinere Blessuren davontragen. Unter anderem ist es das Ziel, den Gegner zu Boden zu „tackeln“, bevor dieser den Ball in die Endzone bringen kann. Dabei sind die Akteure meist sehr brutal und skrupellos. Mit voller Wucht werfen sie sich in den balltragenden Spieler hinein. Nur so ist es in den meisten Fällen möglich, den Gegner zu stoppen. Natürlich laufen die Spieler nicht ungeschützt über das Spielfeld. Sie tragen entsprechende Schutzkleidung mit Helmen. Jedoch kann auch die nicht immer davor schützen, dass, wenn ein Gegenspieler ohne Rücksicht auf Verluste in seinen Gegner springt, einige Prellungen, Verstauchungen oder sogar Brüche davongetragen werden. Aber das ist genau das, was die Aktiven an diesem Sport lieben. Ein Football-Amateur aus Bonn erklärt es mit einfachen Worten: „Ja, natürlich, es geht immer heiß her. Deshalb macht man ja diesen Sport. Immer voll drauf!“

Die Bonner Game Cocks sind eine Amateur-Footballmannschaft aus der zweiten Bundesliga. Viele junge Männer treffen sich dreimal die Woche auf dem Footballfeld, um sich auszutoben. Einer von ihnen ist Kostin Baumkärtel. Er ist 19 Jahre alt und spielt seit nunmehr fünf Jahren den amerikanischen Sport. Er hat gelernt, mit den Schmerzen, die einem beim Spiel zugefügt werden oder erst danach auftreten, umzugehen. „Das muss man wegstecken. Ohne geht es nicht. Wenn man das nicht akzeptiert, sollte man sich für einen anderen Sport entscheiden.“ Auf die Frage, wie sein Körper das mitmacht, antwortet der junge Mann: „Mein Körper ist schon abgehärtet und hat sich daran gewöhnt. Der kann das ab!“

Doch Kostin Baumkärtel verschweigt etwas. Sein Mannschaftskollege Ralf Önning ist da schon etwas redseliger. „Wir haben alle unsere Pillchen, die wir nehmen, um die Strapazen aus den Spielen zu verdauen.“ Ein Großteil der Bonner Game Cocks-Spieler könnte keine zwei Spiele hintereinander bestreiten, ohne sich dazwischen mit Schmerzblockern wieder aufzupäppeln. Auch Ralf Önning gehört dazu. Er hat zu diesem Thema eine feste Meinung. „Ohne kleine Schmerzpillchen funktioniert das nicht. Jeder macht das in diesem Sport. Wenn man weiterspielen möchte, sind die Schmerzblocker die einzige Alternative. Und wochenlang warten, bis die kleineren Verletzungen ausgeheilt sind, will man einfach nicht. Man will nur spielen, spielen, spielen! Es würde sich auch nicht lohnen. Man kommt aus dem Trainingsrhythmus und muss sich erneut beim Trainer profilieren.“ Ralf Önning weiß, dass es gefährlich sein kann, mit Schmerzmitteln im Körper Sport zu treiben. Doch dieses Risiko geht er ein, denn dafür liebt er das Spiel zu sehr und möchte, wenn möglich, keins der Spiele verpassen.

Woher bekommen die Hobby-Sportler die großen Mengen an Schmerzmitteln? Die Tabletten sind nicht billig und manche sogar rezeptpflichtig. Önning: „Kollegen von uns besorgen die aus dem Urlaub oder so. Wenn einer von uns zum Beispiel im Sommer in die Türkei fährt, besorgt er Nachschub für sich und für die, die keine Tabletten mehr haben. Das wird immer abgesprochen.“ Ralf Önning hat seine kleine Plastiktüte immer beim Training dabei. Darin Voltaren aber auch andere bekannte Marken, die billig aus der Türkei mitgebracht wurden. „Das sind richtige Hammer! Da spürst du nichts nach einem harten Spiel oder Training.“

Der Trainer der Game Cocks weiß nichts von dem großen Schmerzmittel-Austausch in seiner Mannschaft. „Natürlich weiß ich, dass der eine oder andere Spieler mal eine Tablette nimmt, um den Muskelkater loszuwerden. Aber damit können die Jungs schon umgehen. Hab ich auch ab und zu früher mal gemacht.“ Doch bei vielen seiner Spieler steht die regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln an der Tagesordnung. Wie Önning es schon gesagt hat, ohne Schmerzblocker ist dieser Sport wohl nicht möglich. Der Erlanger Pharmakologe Prof. Kay Brune berichtet im Deutschen Ärzteblatt von möglichen Auswirkungen und nennt ein weiteres Beispiel: Ein Hobby-Radler klagt nach einer Übungstour über Blut im Urin. Der Grund dafür ist eine Mischung aus Aspirin (Wirkstoff: Acetylsalicylsäure, kurz: ASS), Paracetamol und Koffein. Diese Stoffe in Kombination mit dem Stress, der bei einer Radetappe entstehen kann, haben „die Blutgefäße in der Niere des jungen Mannes so löchrig wie Schweizer Käse gemacht.“ Klingt nicht gesund!

Brune weiter: „Angeregt durch solche Erfahrungen haben wir über 1000 Teilnehmer des diesjährigen Bonn-Marathons vor dem Start zu ihrem Medikamentenstatus befragt.“ Das Ergebnis: „Über 60 Prozent der Befragten gaben an, schon vor dem Start zur Schmerztablette gegriffen zu haben – die meisten aus Angst vor Schmerzen nach dem Lauf.“ Fazit: „Wenn so viele Sportler schon vor dem Sport zu Tabletten greifen, ist es offensichtlich, dass viele den Lauf schon mit Schmerzen beginnen und andere Angst haben, ohne Schmerzmittel das Ziel nicht zu erreichen.“

Kann das der Sinn eines Sports sein? Mit allen erdenklichen Mitteln, im wahrsten Sinne des Wortes, zum Ziel zu gelangen, ohne dabei auf seine Gesundheit Rücksicht zu nehmen.

Ein Allgemeinmediziner aus Bornheim, einen Nachbarort von Bonn, hat diese Erklärung. „Das größte Problem hierbei ist die Zeit. Die Zeit, die der Sportler normalerweise abwarten müsste, damit kleinere Verletzungen ausgeheilt sind. Meistens sind es ja junge ehrgeizige Sportler, die große Ziele haben in ihrem Sport. Da reicht schon der Aufstieg aus der Kreisklasse B in die Kreisklasse A als Grund aus.“ Der Mediziner betreut außerdem die Fußballmannschaft aus seinem Ort Bornheim. Die jungen Männer kommen immer zu ihm, wenn irgendetwas zwickt oder sich ungesund anfühlt. „Einige der Jungs sind meist regelmäßig bei mir. Öfters wegen kleinerer Geschichten. Aber wenn ein wichtiges Spiel ansteht, bei dem es um sehr viel geht, wollen sie von mir auch öfters mal eine Tablette haben, um mitspielen zu können.“ Der Mediziner ist selbst auch Fußballfan und sogar bei einem renommierten Bundesligaclub als Schatzmeister tätig. Ob er den Spielern aus Bornheim die eingeforderten Tabletten zukommen lässt, will er nicht verraten. Verständnis für ihre Probleme scheint er jedoch zu haben.

An dieser Stelle ist die Verantwortung der behandelnden Ärzte gefragt. Ein Arzt sollte dieses System nicht unterstützen, indem Sportlern mit Schmerzmitteln aus der Verletzungskrise geholfen wird. Vielmehr sollte die gesamte Gesundheit des Spielers im Vordergrund stehen. Auch wenn es zeitaufwendig ist, müssen Verletzungen, egal welcher Art, behandelt und auskuriert werden. Geschieht dies nicht und der Spieler nimmt stattdessen schmerzstillende Mittel zu sich, kann der Teufelskreis beginnen. Die Verletzung bleibt bestehen. -Die Schmerzen jedoch sind weg. -Der Sportler spielt trotz der Verletzung weiter. –Die Verletzung wird immer schlimmer, die Schmerzen größer und die Einnahme von Schmerzmitteln nimmt zu. -Dann werden härtere Blocker genommen, weil die leichten nicht mehr die erwünschte betäubende Wirkung haben. Die Nieren werden so stark strapaziert, dass sie irgendwann aufgeben und versagen können.

Der Pharmakologe Brune erklärt es so (Deutsches Ärzteblatt): „Es ist bekannt, dass jede intensive sportliche Betätigung zur Minderdurchblutung des Magen-Darm-Traktes und der Nieren führt. Dazu kommen die anhaltenden Schüttel- und Stauchbewegungen beim Laufen. Beides zusammen führt dazu, dass die Magen-Darm-Schleimhaut durchlässiger wird. Wenn diese Durchlässigkeit durch Schmerzmittel noch weiter erhöht wird, kann es sehr gefährlich werden“. Es können Schwere Krämpfe und Blutungen auftreten, doch das sind noch die harmloseren der möglichen Folgen. Schlimmere können sein: Magengeschwüre, Nierenversagen und sogar Herztod.

Die Sportler sollten nach Brune eins verstehen: Schmerzen sind die Warnsignale des Körpers. Sie signalisieren eine Überbelastung und bezwecken eine Schonung des jeweiligen Körperteils. „Wir sollten darüber nachdenken“, sagt Brune, „ob nicht weniger Sport oft mehr wäre. Und wir sollten nur so viel Sport betreiben, wie wir ohne Schmerzmittel gut verkraften“. (Deutsches Ärzteblatt)

Brunes Tipp ist der vernünftige, gesunde Weg, die Verletzung und die Schmerzen loszuwerden. Die Realität sieht, wie gesehen, völlig anders aus. Doch wenn man ehrlich ist, ist dieses System der Spiegel der Einstellung unserer Gesellschaft. – Der Weg des geringsten Übels. Warum soll ich mich durch die Verletzung und die Schmerzen quälen, Aufbauübungen absolvieren, wieder ein lästiger Arztbesuch, Rehabilitation, auskurieren und abwarten, wenn eine kleine Tablette diese Probleme sofort, von einem auf den anderen Moment scheinbar lösen kann. Nur für den nächsten Moment leben und außer Acht lassen, was danach noch kommt. Das Lästige, Schwierige und Unangenehme umgehen und einfach weiter machen, wie bisher. Man lebt nur einmal, also alles auskosten, was man mitnehmen kann. Ist das die richtige Einstellung?

jdemme @ 2:35 pm
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