ThaliaCampus: „Kein Gedanke ohne Atem“

Die Schauspielerei ist eine Kunst für sich. Auf Knopfdruck weinen. Lachen, sodass jeder mitgezogen wird. Doch im Workshop stellt sich heraus: Mit einer Geheimwaffe kann das fast jeder. Dem Atem.

Still ist es, als Marina Wandruszka, Schauspielerin, Regisseurin und Leiterin dieses Seminars, fragt, was passiert, wenn wir weinen? Ein verlegenes Schweigen. Denn eigentlich bedeutet die Frage: Fangt an zu weinen und sagt mir, was ihr spürt. Etwas Außergewöhnliches passiert. Der Dielenboden wird zum Blickfang und die Stille weicht einem schnappenden Schluchzen. Nun, was passiert? Über der Brust scheint ein Ziegelstein zu liegen. Die ruhige, regelmäßige Atmung weicht einem schnappenden Ein- und Ausatmen.

Hat man erst einmal erkannt, was der Körper tut, wenn wir etwas tun, ist das die halbe Miete. Die Notwendigkeit des Körpers, Luft zu holen, spielt dabei wohl die größte Rolle.

Kommt uns eine Idee oder haben wir etwas vergessen, sind unsere Bewegungen zwar verschieden, doch unser Atem macht das Gleiche, und zwar ganz bewusst. Wir holen tief Luft. „Es gibt keinen Gedanken ohne Atem“, erklärt Marina. Sie selbst lernte in Zürich und lehrt nun, wie Körper, Atem und Stimme die Technik des Schauspielerns ausmachen.

Erst die Art einen Ausruf mit einem tiefen Atmer zu beginnen, macht eine Reaktion authentisch. Wie auch ein Gefühl für seinen Körper. Festes Stehen, Energie aufnehmen, entspannen – all das sind Übungen, die zum schauspielerischen Alltag gehören. Ein Quäntchen Vorstellungskraft ist dabei jedoch unerlässlich. Während die Teilnehmer imaginär über heiße Kohlen gehen, nehmen sie bei jedem Schritt Energie über den Boden auf. Das soll auch gegen chronisch kalte Füße helfen. Aber auch ein imaginärer Ball, den man zwischen beiden Händen hält, lässt Energie entstehen. Die Hände werden warm und geben die Kraft an den ganzen Körper ab. So jedenfalls die Theorie.

Ein Gefühl für seinen Körper und den eigenen Atem sind die wohl wichtigsten Mittel auf der Bühne. Für die Stimme blieb nach den anderthalb Stunden keine Zeit mehr. „Das machen wir beim nächsten Mal“, sagte Marina, nachdem sie tief Luft holte. Denn es gibt keinen Gedanken ohne Atem.

Über den weiteren Verlauf des Studentenfestivals berichtet DIGGER unter Kultur/ ThaliaCampus 2012.