Wenn das Herz für den Beat schlägt

Viele Software-Hersteller bieten Programme an, mit denen jeder am heimischen Computer Musik produzieren kann. Vom Hardcore-Techno über feine Hip Hop-Beats, metallastige Gitarrenriffs bis hin zur klassischen Klavier-Komposition. Mit etwas technischem Know-how lassen sich abwechslungsreiche Musikstücke produzieren.

Proportionalität macht vieles leichter im Leben. Und was sich nicht so alles proportionieren lässt. Einkommenssteuerverteilungen, Körpermaße und nicht zu vergessen die ebenso beliebten, wie verhassten mathematischen Gegebenheiten. Doch Musik? Ein Prozess, der die kreativen Windungen des menschlichen Gehirns glühen lässt. Ein Prozess, der – bevor er abgeschlossen ist – eigentlich gar nicht definiert werden kann, soll also in Größen aufteilbar sein?

Was nach dem Versuch klingt, kreative Tätigkeit in einfache Formeln zu pressen, ist tatsächlich eine Errungenschaft des Produzenten-Geschäfts. Software, die von Musikproduzenten genutzt wird, gibt es schon seit Längerem auch für private Nutzer und Hobby-Musiker zu kaufen.

Screenshot des Step Sequencers von FL-Studio

Mit FL-Studio beispielsweise – ein Programm des Entwicklers Image-Line – ist eine Software auf den internationalen Markt gekommen, die es im Prinzip jedem möglich macht, Musik zu produzieren. Das Prinzip, das dahinter steckt, lautet „pattern based sequences“. Das bedeutet, es gibt vorgefertigte Samples, die sich in die Rechtecke des Step-Sequencers (Foto) einfügen lassen. Hat man nun mehrere dieser Patterns angefertigt, kann man diese wiederum aneinanderreihen und somit zu einem Song arrangieren. Die Bedienung dieser Step-Sequencer ist intuitiv und erschliesst sich nach ein wenig Herumprobieren, sodass man vor lauter Spaß am Beats produzieren oft ziemlichen Unsinn dahinprogrammiert.

Hinzu kommen verschiedene Sound-Generatoren, Effekte und Synthesizer: schon klingt es nach einem Track, der sich hören lassen kann. Hier legt das Programm Wert auf Diversifikation. Die Anzahl der Samples ist zwar überschaubar, jedoch bieten sich dem Nutzer ungeahnte Möglichkeiten beim Abmischen, Umprogrammieren, Neuarrangieren, Verzerren, Verändern oder Zusammenschneiden der Samples. So können dank der unzähligen Tricks, die das Programm bietet, aus den vorgegebenen Samples völlig neue entstehen. Einige der Effektgeneratoren wurden sogar von namenhaften Szenemusikern und Producern wie Deadmau5 oder Arksun erstellt.

Allerdings ist FL-Studio ein Programm, mit dem man sich etwas intensiver beschäftigen muss, um es zu verstehen. Aber mit etwas Geduld und ein wenig Optimismus (inklusive diverser Youtube-Tutorials) lässt sich im Endeffekt einiges damit beschicken. Besonders interessant: Mit der FL-Studio Software lassen sich nicht nur elektronische Beats produzieren. Man kann klassische Stücke ebenso wie Gitarrenriffs oder Hip Hop-Beats entstehen lassen. Je nach persönlichem Geschmack und musikalischer Vorbildung stehen einem mit diesem Programm alle Türen offen. Wem die vorgegebenen Samples nicht reichen, dem bleibt noch die Option, eigene Samples aufzunehmen und in das Programm einzuspielen. Diese können dann ebenso mit Effekten und ähnlichem belegt werden wie die Programm eigenen Samples.

Ein unordentlicher Schreibtisch mit einem Mischpult und einem Laptop im Zentrum

Selbstredend gibt es auch Programme, die dem Benutzer einen großen Teil der Arbeit abnehmen. So zum Beispiel der „Magix Music Maker“. Für einen relativ geringen Softwarepreis (im Vergleich zu den anderen in diesem Artikel erwähnten Programmen) erhält man mit dieser Software ein, mehr oder weniger, vollwertiges Produktionsprogramm. Die Samples sind bereits vorverarbeitet und lassen sich in ihrer bestehenden Form lediglich arrangieren. Das bedeutet zwar, dass man in seinem kreativen Spielraum eingeschränkt ist, allerdings ist diese Software ideal für Einsteiger, die ein Gefühl für die Dramaturgie eines gekonnten Arrangements entwickeln möchten.

Wer es wiederum etwas professioneller mag, dem ist Ableton-Live ans Herz zu legen. Dieses Programm erlaubt es, Beats verschiedenster Arten und Weisen zu erzeugen. In seiner Vollversion wird diese Software im Übrigen auch von bekannten DJs wie zum Beispiel Paul Kalkbrenner verwendet. Es ist ebenfalls ein Programm, das etwas Geduld und Grundwissen erfordert. Hat man den Dreh allerdings erst einmal raus, ist dieses Programm ebenso ergiebig wie FL-Studio. Allerdings behält sich dieses Programm die elektro-musikalische Spielrichtung vor. Andere Genres zu bedienen, ist mit diesem Programm zwar möglich, jedoch nur dann, wenn man eigene Samples einspielt, mit denen das Programm arbeiten kann.

Um Euch einen kleinen Audio-Einblick in die musikalischen Möglichkeiten solcher Programme zu bieten, findet Ihr an dieser Stelle einen kurzen, selbst produzierten Beat. Das Grundprinzip lautet ganz einfach: dran bleiben und Leidenschaft entwickeln. Dann steht dem musikalischen Treiben nichts mehr im Weg.

Text und Musik: Patrick Siegels

Bilder: Sebastian Tromm, Patrick Siegels