Gefällt mir! Oder?

Facebook ist das größte und beliebteste soziale Netzwerk der Welt. Man findet alte und neue Freunde, Familienmitglieder und man kann schnell und einfach mal schauen, was und mit wem es der letzte Partner inzwischen so treibt. Ein Klick hier, ein kurzer Post da. Dazu kommen die maßgeschneiderten Werbeanzeigen am Rande. Da tätigt man den Mausklick doch reflexartig. Aber gehen wirklich alle User -außer den Privatsphärejunkies natürlich- unbedarft  mit Facebook um?

Immerhin spaltet sich die breite Masse der Facebook User inzwischen schon in Digital Natives, also Menschen, die mit dem Internet aufgewachsen sind und die ältere Fraktion, die sich größtenteils noch an die rasante Onlinewelt herantastet. Für eine Momentaufnahme dieser schnelllebigen Community sprechen drei ganz normale User über ihre Klick-Gewohnheiten und darüber, wie sozial sie Facebook wirklich finden.

Levin Steinbrink ist 13 und noch gar nicht so lange bei Facebook registriert.

Ein Digital Native ist Levin Steinbrink. Der 13 Jahre alte Schüler ist erst seit kurzem ‚auf Facebook’, wie man gemeinhin sagt. Aber wie kam es dazu? Levin wurde von seinen Freunden gefacebooked. „Meine ganzen Freunde und ich waren vorher auf SchülerVZ, aber dann waren alle bei Facebook. Ich war bei SchülerVZ ganz alleine und dachte mir, bei Facebook muss ich mich auch anmelden.“

So oder so ähnlich ging es wohl vielen. Ob sie von StudiVZ oder MySpace abwanderten, am Schluss landeten fast alle bei Facebook. So auch Tanja Poppe, 33 Jahre alt. Sie hatte in Levins Alter zwar noch keinen PC und ist, wie die meisten Mädchen in diesem Alter, in rasantem Tempo auf echten Pferden durch die ‚reale Welt’ galoppiert, statt sich in einer virtuellen Welt zu verlieren. Trotzdem nutzt sie das Internet, seit es für jeden Normalo tauglich ist und wechselte, wie Levin, vom VZ-Netzwerk zu Facebook.

Aber so ging es dennoch nicht jedem. Martin Laur ist 54 und bei Facebook Mitglied, weil er einfach nur neugierig war. „Man liest viel darüber und ich wollte mich deshalb einmal selber davon überzeugen, was dort alles so geschrieben wird. Im Prinzip hat mich interessiert wie die neuen Medien und so funktionieren. Zum Beispiel die Möglichkeit der Spiele war mir gar nicht bekannt.“

Eine Gemeinsamkeit von allen dreien ist, dass ihnen der Kontakt zu Freunden und Familie am Herzen liegt. Tanja ist deshalb auch online immer up to date: „Am Anfang, als das mit Facebook anfing, habe ich gar nicht so richtig gewusst was das soll und fand das eigentlich scheiße. Aber wenn man es mal angefangen hat, wird einem das schon wichtig. Es ist ja auch so, dass man sich manchmal nicht so oft sehen kann. Viele meiner Familienmitglieder sind auch auf Facebook und dann bekommt man viel mehr mit, als wenn man sich immer nur hin und wieder irgendwo trifft.“

Wenn Levin etwas spannendes zu erzählen hat, oder irgendetwas wissen will, dann trifft er sich mit seinen Freunden. „Wenn ich bei Facebook was schreibe, kann ich mich manchmal nicht so gut ausdrücken, als wenn ich mich mit jemandem unterhalte.“ Er schreibt deshalb auch nur ganz selten etwas. Für Martin ist Facebook so gut wie gar kein Faktor, wenn es um den Kontakt zum engeren Dunstkreis geht. „Der Kontakt  läuft nach wie vor persönlich ab, oder übers Telefon. Wir schreiben uns sehr wenig, wenn dann mache ich es auf dem normalen Weg mit einer eMail oder so.“

Tanja Poppe (33) ist zweifache Mutter und kommuniziert in sozialen Netzwerken vor allem mit ihrer Familie.

Und wie sieht’s mit der Privatsphäre aus? Haut Martin einfach raus, was er wo gegessen hat und wie es ihm denn geschmeckt hat? „Nein solche Korrespondenz führe ich gar nicht, zum Beispiel wie andere Leute zu sagen ‚es regnet gerade hier draußen‘. Wenn dann teile ich nur Dinge mit, die ich wichtig finde, die mitteilungswürdig sind.“ Ist Martin trotzdem ein gläserner User und gibt sich Facebook Datensammelwut hin, weil er nicht mit den tückischen Tricks der Onlinewelt aufgewachsen ist? Im Gegenteil. „Ich möchte die Informationen, die ich preisgebe begrenzen. Aber ich nutze die neuen Medien, denn die sind einfach die Zukunft. Ich habe ja auch nichts zu verbergen, also habe ich kein Problem damit. Ich nutze ja ab und zu auch eine Payback-Karte. Dass ich dann gläsern bin, glaube ich nicht. Das sind einfach Dinge die kommen mit der Zeit.“

Ein bewusster Umgang mit Facebook und selbstredend auch anderen Onlinediensten steht also im Vordergrund. Angst vor Neuem und Unbekanntem ist zwar menschlich, aber durch bedachtes Handeln können wir unsere Ängste und die Panikmache der Medienwelt überwinden, ohne dabei ernsthaft in gefährliche Online-Gewässer zu surfen. Und so hat auch Tanja ihre Privatsphäre zu ihrer Zufriedenheit eingestellt. „Ob es da noch irgendwo eine Lücke gibt, weiß ich nicht -bestimmt. Aber wenn ich will, dass irgendwer etwas nicht weiß, dann schreibe ich das halt gar nicht erst auf Facebook.“ Ebenso wenig klick Levin ohne nachzudenken irgendwo drauf. „Meiner Cousine ist dabei mal was passiert. Sie hat darauf gedrückt und so Sachen gemacht und dann wurden von dem Konto von ihrer Mutter 700 Euro abgezogen. Das war irgendeine versteckte Abofalle oder so. Da überleg ich mir das lieber zweimal.“ Die Privatsphäreeinstellungen waren dann aber doch eine Hürde. Diese Dinge sind Kindern und vielen Teenies schlichtweg noch nicht so bewusst wie erfahrenen Internetusern oder den älteren und deshalb aus Lebenserfahrung skeptischeren Nutzern. Levin hatte glücklicherweise Unterstützung. „Von meinem Cousin Phil. Der hat mir geholfen.“ Und dann fand er es auch gar nicht mehr so kompliziert.

Ein weiterer medialer Streitpunkt sind die Werbeanzeigen. Der ganze Werberahmen regt zumindest viele Datenschützer auf. Tanja ist anderer Meinung. „Mir ist das egal. Manchmal ist es ja sogar ganz gut. Dann denke ich: achja, ich hatte schon wieder ganz vergessen, dass ich das und das angucken wollte. Es ist ja nicht so, dass die einen nerven. Da stört es mich mehr, wenn irgendwelche Leute meine Telefonnummer rauskriegen und mir dann Abos oder so andrehen wollen. Online kann ich eben immer noch selber entscheiden, ob ich jetzt auf diesen Link klicke oder nicht.“ Levin nimmt die Werbeanzeigen nicht wahr und Martin meint zur Datensammelwut von Facebook und zugeschnittenen Werbeanzeigen: „Die Nutzung meiner Daten kann ich natürlich nicht ausschließen, weil ich nicht weiß, was genau Facebook alles damit macht. Deswegen ist es ja auch grundsätzlich so, dass ich fast nichts poste. Außerdem bin ich ja auch bei ebay sehr aktiv und sehe dann natürlich, wenn ich etwas bestimmtes suche, dass ich plötzlich bei gmx.de Werbebotschaften bekomme, die ich eigentlich gar nicht wollte. Da merkt man dann schon, dass die Verknüpfungen irgendwo liegen müssen.“

Martin Laur lässt sich auch mit 54 immer gern auf Neues ein und surft schon länger in Onlinecommunities.

In unserer ‚realen Welt’ geht es ja meist auch recht locker zu. Viele sehen die gefällt-mir-Angaben auf Facebook trotzdem kritisch. Martin meint deshalb „Wenn mich jemand auf der Straße nach einem Rat oder einer Empfehlung fragt, kann ich das schon erzählen. Aber das ist unter vier Augen, oder in einem Gespräch mit einer bestimmten Gruppe. Wenn ich bei Facebook auf ‚gefällt mir‘ drück, weiß ich ja nicht was ich damit alles auslöse.“ Auch Tanja ist vorsichtig mit gefällt-mir-Angaben, nutzt sie aber dennoch. „Das macht für mich keinen Unterschied, ob ich das bei Facebook oder so sage. Ich drücke ja nicht wahllos bei allem gefällt-mir. Überhaupt nicht mache ich es, wenn irgendjemand komische Videos postet oder, wenn da steht ‚du kannst das erst sehen, wenn du auf gefällt-mir geklickt hast’. Das finde ich merkwürdig, denn woher soll ich wissen, ob’s mir gefällt, wenn ich es noch gar nicht gesehen habe.“

So ist es schließlich in echt wie auch online: Man kann nicht jedem alles erzählen. Und verschließt man sich den neusten Trends, bleibt man auf der Strecke. Aber zum Glück gibt es den gesunden Menschenverstand und die Privatsphärejunkies, die uns meist rechtzeitig vor Abofallen und Co. warnen. Und wenn mal nicht rechtzeitig gewarnt wurde, ist man immerhin um eine Erfahrung reicher.

Fotos: veraltete Profilbilder der privaten Facebook-Profile