Ein Newcomer ganz groß – J. Cole live in Hamburg

Am vergangenen Sonntag hat Hip Hop-Newcomer J. Cole Hamburg einen Besuch abgestattet. Mit seinem Debütalbum Cole World: The Sideline Story im Gepäck stand der US-Rapper im Klubsen auf der Bühne. DIGGER war für Euch dabei.

Es herrschten Minusgrade, als sich bereits um 18.45 Uhr am Sonntagabend die ersten Fans vorm Klubsen im Stadtteil Hammerbrook tummelten. In der folgenden Stunde sammelten sich hunderte Leute an, die Hip Hop-Newcomer J. Cole live sehen wollten. Auch ein Fanbus aus Köln war schon lange vorher da, denn das Konzert in der Essigfabrik, welches am 15.12. stattfinden sollte, wurde kurzfristig abgesagt und die Fans bekamen die Chance, den Rapper in Hamburg zu erleben.

In den USA gilt Jermaine Cole, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, schon länger als ernstzunehmender Künstler. Höchste Zeit, dies auch den Hip Hop-Fans in Deutschland zu beweisen. Denn was nur wenige wissen, der 26-Jährige wurde in Frankfurt geboren und verbrachte dort sein erstes Lebensjahr.

Das Publikum im Klubsen war bunt gemischt. Vom Hip Hop-Freak mit Cap und Dre Beats bis hin zu Teenagern, die verzweifelte Gehversuche auf ihren viel zu hohen High Heels unternahmen, schien alles dabei zu sein.

Um kurz vor 20 Uhr begann der Einlass. Die Menge drängte sich nach vorne und schon bald füllte sich der Club, bis wenig später der ganze Raum voll war. Einige sicherten sich sofort Plätze in der ersten Reihe, andere gönnten sich noch ein paar Drinks, bevor die Show losging. Vor allem die weiblichen Besucher waren sichtlich hartnäckig, was das Ergattern von guten Plätzen anging.

J. Cole, der mit seinem Debütalbum Cole World: The Sideline Story nach Deutschland kommt, ist für Kenner der Szene schon lange kein Unbekannter mehr. In den vergangenen Jahren veröffentlichte er bereits vier Mixtapes. Dazu kommen zahlreiche Features mit Größen wie Jay-Z, Missy Elliott oder Drake sowie gemeinsame Touren mit Rihanna und UK-Rapper Tinie Tempah.

Der Voract an diesem Abend war ein Hamburger Sänger, der vor einiger Zeit an einer Castingshow von Stefan Raab teilgenommen hat. Er performte drei Tracks, unter anderem den Klassiker „Get it on tonight“ von Montell Jordan. Dies stieß allerdings auf wenig Begeisterung seitens des Publikums, denn an das Original kam sein Cover nicht einmal annähernd heran. Gerade für Hip Hop-Fans gilt es als absolutes No-Go, diesen Song zu covern. Ohnehin wirkte der Künstler ziemlich aufgeregt und vergaß sogar, sich vorzustellen. Dementsprechend verhielten sind auch die J. Cole-Fans. Großen Applaus bekam er keinen. Nur einige Leute, die einen Hauch von Mitleid verspürten, klatschten sachte in die Hände.

Einige Minuten später war es dann endlich so weit. Die Scheinwerfer richteten sich auf das DJ-Pult, welches mit einem Banner verziert war, das die Aufschrift „DJ Dummy“ trug.

Kurz darauf betrat der gleichnamige DJ die Bühne und begann, an den Platten zu drehen. Nach einer kurzen Begrüßung der Fans ging es richtig los. Er scratchte, was das Zeug hielt, und ließ zum Warm-up eine halbe Stunde lang bekannte Hip Hop-Tracks ineinanderfließen. Ein Kracher folgte dem anderen. Das Publikum wurde von der guten Laune des DJ‘s aus Brooklyn regelrecht mitgerissen und die ersten Leute fingen an, zu tanzen und die Songs mitzusingen. Dies lag nicht nur an den Beats von Tracks wie „All I do is win“ von Dj Khaled, „Teach me how to dougie“ vom Cali Swag District oder „I’m on one“ von Drake, sondern vor allem an Dummy, der an seinen Plattentellern voll und ganz aufging.

Um 21:15 Uhr stürmte schließlich J. Cole mit einem lauten „Whut up, Hamburg?“ auf die Bühne. Die Nebelmaschinen liefen auf Hochtouren, die Menge jubelte und die Mädchen in der ersten Reihe kreischten um die Wette. Sein erster Song „Cole world“ begann mit den Worten „I think it’s gonna be a hell of a night“ und dementsprechend verlief der Abend auch. Cole trug beige Chinos, ein rotes Shirt mit der Aufschrift „Dreamville“ und darüber eine dunkle Lederjacke, die er allerdings schon nach wenigen Songs auszog. Die coolen Sounds und die heißen Beats heizten den Fans ordentlich ein. Viele konnten die Lieder, die der Rapper live auf der Bühne performte, mitsingen und kaum jemand stand jetzt noch still auf seinem Platz.

Spätestens beim Song „Work out“ wurde jeder vom Cole-Fieber infiziert, denn obwohl er als Newcomer gilt, stand er Rap-Größen wie Drake in nichts nach. Solide rimte er die Lyrics seiner Tracks, die oft mit Gesang gekoppelt waren. Die Show bot aber nicht nur schnelle Songs zum Mittanzen, sondern auch gefühlvolle Nummern. Als es plötzlich dunkel wurde, Cole auf einem Hocker Platz nahm und die ersten Zeilen der Ballade „Daddy’s little girl“ anstimmte, herrschte Gänsehautfeeling. Auch der Song „Lost ones“, in dem es um das schwierige Thema Abtreibung geht, trieb vielen Fans Tränen in die Augen. Sogar die coolen Typen mit ihren Caps hörten auf mitzurappen und blickten gebannt zu Cole, der mit viel Gefühl in der Stimme glänzte.

Schon kurz danach hob DJ Dummy die Stimmung mit schnellen Beats und skurrilen Tanzmoves wieder an. Auch die Bühne wurde nun wieder voll beleuchtet und J. Cole performte seine bekanntesten Songs „Mr. Nice Watch“ und „Can’t get enough“. Das Publikum war begeistert und feierte seinen Star. Sichtlich ausgepowert und schweißdurchnässt bedankte sich der Amerikaner nach eineinhalb Stunden bei den Hamburgern für die ausgelassene Stimmung und verabschiedete sich nach einigen älteren Nummern wie „Who dat“ vom Mixtape Friday Night Lights.

Doch die vielen Zuschauer hatten noch nicht genug. Sie feuerten Cole an, noch eine Zugabe zu geben. Natürlich kehrte der Rapper nach einigen Minuten wieder zurück auf die Bühne und stellte die Leute zufrieden. Mit einem lauten Applaus, höherschlagenden Frauenherzen und heiseren Stimmen endete die Cole World: The Sideline Story-Show schließlich gegen 23 Uhr.

Zwar feierten die Hamburger ausgelassen mit den angereisten Fans aus Köln, aber es war immer noch zu merken, dass die Hansestadt weniger Hip Hop-affin ist. Dennoch war die Show ein voller Erfolg, denn DJ Dummy und die Live-Performance von J. Cole waren so gut, dass sogar der größte Hip Hop-Muffel auf seine Kosten gekommen wäre.

Fotos: Denise Bobe

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