DIGGER Theaterguide Spezial: Ihr Kinderlein kommet

An dieser Stelle sollte eigentlich ein Theaterguide stehen. Mit Betonung auf dem Wort sollte. Leider haben sich sowohl die kleinen als auch die großen Bühnen Hamburgs offenbar dazu entschieden, im DEZEMBER an der DIGGER-Leserschaft vorbei zu arbeiten.

Die Weihnachtszeit ist bekannt als schönste Zeit des Jahres. Das wissen auch die Intendanten der Theater. Und um dem Zauber dieser Tage gerecht zu werden, bemühen sie sich, passend zu Weihnachten neue Zuschauer zu generieren: Nämlich die Kleinsten.

Große und kleine Theater in Hamburg zeigen im Dezember Stücke, die Kinder kennen und lieben. Das größte deutsche Sprechtheater, das „Deutsche Schauspielhaus“ lockt mit „Alice im Wunderland” und „Peter Pan“. Das „Ernst-Deutsch-Theater“ versucht es mit den „Bremer Stadtmusikanten“.
Auch die kleinen Bühnen schließen sich diesem Trend an. Das „Kleine Hoftheater“ zeigt „Pinocchio“, im „Ohnsorg Theater“ gibt es „Peterchens Mondfahrt” auf Plattdeutsch zu sehen. Und dabei ist keine dieser Geschichten wirklich weihnachtlich.

Doch warum das alles? Gibt es eine geheime Studie, die belegt, dass Eltern zu Weihnachten eher gewillt sind, mit ihren Kindern ins Theater zu gehen? Und warum sollte man sich dann für eine der großen Bühnen entscheiden? Immerhin gibt es auch in Hamburg schon seit Jahren Theater, die auf die Unterhaltung der Kids spezialisiert sind. Im „Theater für Kinder“ beispielsweise gibt es im Dezember „1001 Nacht“ zu sehen. Und das zu angenehm geringen Preisen. Diese können Eltern überzeugen, die eigentlich in der Weihnachtszeit auch ohne Theater schon zu viel Geld ausgeben.

Es mag löblich erscheinen, dass sich die Hamburger Bühnen entschieden haben, ihre ganze Aufmerksamkeit auf die Kleinsten zu richten. Aber wenn man das schon tut, sollte man diese Linie auch beibehalten: Heißt es ab Januar wieder „Hamlet“ und „Die Räuber“ auf allen Bühnen, wirkt der neue, kinderfreundliche Kurs nämlich leider nur noch verlogen. Außerdem werden die sonst so verwöhnten, kinderlosen Theaterjunkies in der Weihnachtszeit vollkommen vergessen.

Foto: Kerstin Schornburg

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